Grundschule Heiligenhaus Unsere Schule – und damit auch unser Schulprogramm - hat sich in den letzten Jahren einem Wandel unterzogen.  Die wichtigsten Veränderungen lassen sich mit den Stichworten individuelles, selbstständiges Lernen umreißen.  Hintergründe für den Wandel waren in erster Linie  - aktuelle Erkenntnisse der Lern- und Hirnforschung, die zu einer veränderten Didaktik geführt haben,  - eine Kindheit, die sich deutlich von den vorherigen Generationen unterscheidet,  - neue Richtlinien und Lehrpläne aus dem Jahre 2008.   Erkenntnisse der Lern- und Hirnforschung  Kinder wollen lernen. Sie kommen mit einem natürlichen Wissens- und Erfahrungsdrang auf die Welt. Sie lernen ständig und überall.  Neurodidaktische Studien zeigen, dass Lernen eine so alltägliche, selbstverständliche Tätigkeit ist wie Essen und Atmen.  Für das Lernen in der Schule besteht nun eine wichtige Aufgabe darin, für Kinder geeignete Lernumwelten zu schaffen, die das natürliche Interesse aufgreifen und die das Kind da abholen, wo es steht, etwa in dem sie Lernanreize bieten, die das Kind weder über- noch unterfordern.  So wird es in seiner Weiterentwicklung unterstützt und optimal gefördert.  Der stärkste Antrieb für erfolgreiches Lernen ist die Eigenmotivation, sagt der Hirnforscher Martin Korte.(1) Diese zu erhalten und auszubauen und im Sinne des Kindes zu nutzen, ist eine der großen Herausforderungen für die Gestaltung von schulischen Lernprozessen.  Kinder entwickeln sich in aufeinander aufbauenden Stufen. Diese individuelle Entwicklung folgt jedoch einer jeweils eigenen Gesetzlichkeit und findet bei unterschiedlichen Kindern in unterschiedlichen Zeiträumen statt. Langsame Lerner gehen häufig dieselben Schritte wie schnellere - nur zu einem späteren Zeitpunkt.  Forschungen belegen, dass bei Schuleintritt Entwicklungsunterschiede von bis zu drei Jahren vorhanden sind. Demnach ist der Schulanfang keine "Stunde Null“. Kinder sind kein unbeschriebenes Blatt bei der Einschulung, sondern bringen ganz unterschiedliche Lern- und Lebenserfahrungen mit. Diese unterschiedlichen Lernvoraussetzungen muss in der schulischen Arbeit Rechnung getragen werden. Der Schweizer Kinderarzt Remo Largo fordert daher, den Unterricht so individuell zu gestalten, dass er eine große Spannweite überbrücken kann.(2) Dazu bietet die jahrgangsübergreifende Schuleingangsphase, wie sie bei uns praktiziert wird, ideale Voraussetzungen.  Heute weiß man außerdem, dass Lernen nicht heißt, fertiges Wissen vom einen Kopf in den anderen zu transferieren. Es bedeutet vielmehr, sich im Kopf ein eigenes Bild von der Welt zu konstruieren. Erkenntnispfade zu bahnen, die niemand exakt vorgezeichnet hat. Der Aufbau kreativer individueller Denkstrukturen ist demnach eine wichtige Basis für die Vermittlung von nachhaltigem Wissen.  Folgt man Sir Ken Robinson, dem international anerkannten Bildungsexperten, so ist es gerade diese Kreativität, die das eigene Lernen vorantreibt. Damit sie sich entfalten kann, braucht es aber Freiräume und auch die Möglichkeit auf dem Lernweg Fehler zu machen.  Kinder sind laut Robinson bereit, etwas zu riskieren. Wenn sie etwas nicht wissen, probieren sie einfach. Sie haben keine Angst, etwas falsch zu machen. Wichtig ist, dass sie auch in der Schule den richtigen Umgang mit Fehlern lernen. Denn, so Robinson, wer nie bereit ist einen Fehler zu machen, wird nie etwas wirklich Originelles schaffen. Werden Fehler stigmatisiert, dann gehen gleichzeitig auch kreative Fähigkeiten verloren.(3)  Martin Korte betont, dass das Gehirn von Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter enorm plastisch ist. „Erst nach und nach graben sich durch Lernerfahrungen die Haupt- und Nebenstraßen des Denkens ein. Dabei kommt es nicht nur auf die rund 100 Milliarden Nervenzellen im Hirn an, sondern vor allem auf die Synapsen – jene Kontaktstellen, über die Nervenzellen mithilfe von Botenstoffen miteinander kommunizieren. (….) Jene Signalbahnen, die oft genutzt werden und sich bewähren, verstärken sich. Die Nervenzellen bekommen zusätzlich Äste, und es entstehen neue Synapsen. Was nicht genutzt wird, verkümmert nach und nach. Somit verändern sich beim Lernen vor allem die Verschaltungseigenschaften im Gehirn. Daher sind motivierende Lernerfahrungen gerade in jungen Jahren enorm wichtig. Nur so entsteht eine Gehirnarchitektur, die hilft, sich neues Wissen schnell zu erschließen; nur dann kann an bereits Gelerntes erfolgreich angeknüpft werden."(4)  Veränderte Lebenswirklichkeit  Der Alltag heutiger Kinder unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht grundlegend von dem ihrer Eltern.  So haben sich Familienstrukturen aber auch das Freizeitverhalten verändert. Oft sind beide Eltern berufstätig, so dass die Kinder nach der Schule eine Betreuung benötigen. Gleiches gilt für Kinder, die bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen.  Weiterhin sind die Zukunftsperspektiven der Kinder heute offener als je zuvor: Die Arbeitswelt stellt ständig veränderte Anforderungen an ihre zukünftigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Menschen werden ihr Leben lang lernen müssen. Deshalb ist es zu einer zentralen Aufgabe der Schule geworden, die Lust aller Kinder aufs Lernen immer wieder neu zu entfachen und die dafür erforderlichen Fähigkeiten zu entwickeln.  In der modernen Arbeitswelt werden - neben der Lernfähigkeit – Schlüssel-qualifikationen wie Kreativität, Selbstständigkeit, Flexibilität, Verantwortungs-bewusstsein, Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit und vor allem kritisches Denken und Problemlösen gefordert.(5)  „Heute müssen Schüler lernen, wie sie sich kreativ und individuell Kompetenzen erarbeiten können, wie sie effektiv über Fach- und Kulturgrenzen hinweg kommunizieren und in Teams Probleme lösen  können.“ (6)  Wer in der Schule bereits gelernt hat, Aufgaben selbstständig anzugehen und zu lösen, wer Lösungsstrategien in der Auseinandersetzung mit anderen erarbeitet hat, der ist auch später im Berufsleben in der Lage, erfolgreich, kreativ und konstruktiv in einem interdisziplinären Team zu kooperieren.  Veränderte Richtlinien und Lehrpläne  Diese Erkenntnisse finden auch Berücksichtigung in den gesetzlichen Vorgaben für Schulen. Die Richtlinien und Lehrpläne in ihrer aktuellen Form spiegeln dies deutlich wider. Sie bilden den Rahmen für den Unterricht und sind die verbindliche Grundlage unserer täglichen Arbeit.  Sie legen die Anforderungen für das Lernen in der Grundschule fest und verpflichten die Lehrer dazu, den Schülern durch differenzierenden Unterricht jene individuelle Förderung zukommen zu lassen, die tragfähige Grundlagen für das weitere Lernen schafft. (7)  Stärker als bisher rückt damit die Bedeutung individueller Förderung in den Vordergrund.  "Diese Vielfalt ist als Herausforderung zu verstehen, jedes Kind bezogen auf seine individuellen Stärken und Schwächen durch differenzierenden Unterricht und ein anregungsreiches Schulleben nachhaltig zu fördern. Dies schließt individuelle Hilfen für Kinder mit Lernrückständen oder besonderen Problemen beim Lernen ebenso ein wie die Förderung von besonderen Begabungen und Neigungen. Grundlegend hierfür ist die Kenntnis der individuellen Lernausgangslage. Fortlaufende Beobachtungen der Lernentwicklung als Grundlage der individuellen Förderung sind unumgänglich.“(8)  Aber auch der Erwerb von Schlüsselqualifikationen und die Notwendigkeit Grundlagen zum lebenslangen Lernen zu legen, haben hier einen hohen Stellenwert. „Durch fachliches und fächerübergreifendes Lernen werden Schlüsselqualifikationen als grundlegende Kompetenzen und Einstellungen angebahnt, die den Kindern die individuelle Gestaltung ihres Lebens, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und selbstständiges, lebensbegleitende Lernen dauerhaft ermöglichen.“(9)  Diesen Vorgaben sind wir verpflichtet. Sie gilt es zu berücksichtigen bei der Planung und Durchführung des täglichen Unterrichts, aber auch bei der kontinuierlich fortgeführten Schulentwicklung. Sie finden daher selbstverständlich auch Berücksichtigung in allen Bereichen des Schulprogramms, ohne dass dort immer wieder explizit darauf verwiesen wird.  Konsequenzen für den Unterricht  Individuelles Lernen Ein Unterricht, der die Individualität des einzelnen Kindes berücksichtigt, damit es sein Leistungspotential ausschöpfen kann, erfordert ein hohes Maß an Öffnung. Gleichzeitig ermöglicht er den Schülern, dass sie in ihrer individuellen Geschwindigkeit lernen können.(10)  Dies gilt umso mehr für eine Schule, in der – wie das bei uns der seit vielen Jahren der Fall ist – behinderte und nicht behinderte Kinder mit- und voneinander lernen.(11)  Daher ist die Modularbeit fester Bestandteil des Unterrichts in allen Klassen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.(12) .  Für die Schüler bedeutet dies, dass sie sich von Schulbeginn an darin üben, ihr Lernen so weit wie möglich selbst in die Hand nehmen. „Kinder lernen besser, wenn sie selbst lernen, als wenn man sie belehrt, wenn sie beim Lernen handeln und Fehler machen dürfen, wenn sie zu zweit ein Problem zu lösen haben, wenn sie das, was sie lernen sollen, Anderen zu erklären haben (…)."(13) Individualisierter Unterricht hält die Eigenmotivation der Schüler aufrecht. Sie können ihre Lernprozesse – im Rahmen ihrer Möglichkeiten – mitbestimmen.  Rolle der Lehrer: Wir Lehrer verstehen uns dabei als Lernbegleiter, Herausforderer und Impulsgeber und wann immer es nötig ist als Vermittlungsinstanz für Wissen. Aber auch wenn wir ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortung bei unseren Schülern anstreben, so begleiten wir sie auf diesem Weg aufmerksam. Wir sehen unsere Aufgabe u.a. darin, die Anforderungen, die wir an das Kind stellen, an den jeweiligen Entwicklungsstand anzupassen. Damit das gelingt, greifen wir auf Beobachtungen während des Unterrichts und weitere (standardisierte) Diagnoseverfahren zurück. Differenzierte und transparente Beurteilungsraster, die wir gemeinsam erarbeitet haben, sind eine weitere wichtige Unterstützung.(14) So können beim Lernen neues Wissen und neue Fertigkeiten mit bisherigen vernetzt werden.  Auswahl von Lehr- und Lernmittel: Wir wählen diese grundsätzlich so aus, dass sie die Kinder dabei unterstützen, selbstständig und kreativ zu denken und zu arbeiten. Die eingesetzten Materialien und Schulbücher sind entsprechend der Leitidee der individuellen Förderung nicht unbedingt für alle Kinder einer Klasse gleich. (vgl. Klassenkonzepte)  Leistung und Lernerfolge: Für ein erfolgreiches Lernen sind Lernerfolge von großer Bedeutung. Sie stärken nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern motivieren dazu, weitere Herausforderungen auf dem Lernweg anzugehen. Damit jedes Kind – unabhängig von seinem Leistungspotenzial - von Lernerfolgen profitieren kann, braucht es Anforderungen, die seinem Lernstand möglichst genau entsprechen. Dazu gehört aber auch eine Fehlerkultur, in der Fehlermachen erlaubt ist und wo nicht nur die erbrachte Leistung und das Ergebnis, sondern auch die Anstrengung auf dem Weg dorthin eine angemessene Würdigung erfahren. Eine positive, entspannte Lernatmosphäre ist darüber hinaus ebenfalls wichtig. Erst wenn Kinder sich angenommen und ernst genommen fühlen, können sie lernen.(15)  Unsere Schüler werden früh mit der Tatsache konfrontiert, dass wir Leistungen von ihnen erwarten. Aber sie erfahren auch, dass dieser Leistungsanspruch niemanden ausgrenzt und dass sie auf unsere Unterstützung zählen können, wenn sie Hürden auf dem Lernweg nicht alleine überwinden können.  Kein Kind darf zurück bleiben! Diesen Förderauftrag sehen wir als grundlegend an, um allen Kindern gerecht zu werden und Chancengleichheit zu wahren. Wir verstehen Förderung dabei in erster Linie aber nicht als Sondermaßnahme, sondern als Kernauftrag der Schule. Daher ist Förderunterricht bei uns in der Regel Bestandteil des regulären Unterrichts, der allen Kindern zusteht. (vgl. Individuelles Förderkonzept)  So erleben die Kinder eine selbstverständliche Vielfalt an Begabungen innerhalb der Klasse, genauso wie auch innerhalb der Schule. Jeder bringt Ressourcen mit – nur auf unterschiedlichen Gebieten - und bereichert damit das Schulleben. Individuelle Schwächen führen nicht zur Ausgrenzung. Auch hier sind offene Unterrichtsphasen von Vorteil, denn sie bieten dem Lehrer den notwendigen Rahmen, um sich einem Kind intensiver zuzuwenden.  Deutlich seltener werden Kinder in klassenübergreifenden, homogeneren Kleingruppen zusammengefasst und unterrichtet. (vgl. DaZ Konzept; Konzept zum Gemeinsamen Unterricht, Individuelles Förderkonzept)   Neugier und der Freude am Lernen: Wir haben an unserer Schule eine Kultur des Wissenwollens etabliert. Dabei hat das Von- und Miteinanderlernen einen hohen Stellenwert.  Insbesondere Letzteres erleben wir in besonderem Maße sowohl durch den jahrgangsübergreifenden Unterricht in den Eingangsklassen, wie auch durch die Integration der Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf. (vgl Konzept zur Schuleingangsphase, Konzept zum Gemeinsamen Unterricht)  Inklusion bedeutet für uns für uns auch, dass wir uns zu einer Schule bekennen, die Offenheit und Vielfalt wertschätzt.  Es ist uns wichtig, dass sich alle am Schulleben Beteiligte wohl fühlen.  Individualität und die Einzigartigkeit der einzelnen Person muss auch im Kontext einer Schulgemeinschaft Raum haben. Das gilt für unsere Schüler genauso wie für unser Lehrerteam.  Alle hier und im Schulprogramm aufgeführten Grundideen oder Konzepte sind entstanden in gemeinsamer Teamarbeit. Dennoch sind die Umsetzungen im Unterricht geprägt von der jeweiligen Lehrerpersönlichkeit. Das ist gut so und eine wichtige Voraussetzung für guten Unterricht.  Noch eine Anmerkung zum Schluss: Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, das Schulprogramm in eine gebundene Form zu bringen. Dadurch können wir der Tatsache besser Rechnung tragen, dass Schulentwicklung ein kontinuierlicher Prozess ist, der nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt als abgeschlossen betrachtet werden kann. Unsere Schule wird und muss sich auch in den nächsten Jahren weiter verändern. Die vorliegende „Loseblatt-Sammlung“ ermöglicht uns, ein problemloses Ergänzen, Verändern oder auch Streichen, wenn es aus unserer Sicht notwendig ist.   Literatur  Hier finden Sie eine Auflistung der Literatur, auf die wir uns in unserem Schulprogramm beziehen, die wir zitieren und die unser Denken beeinflusst hat (auch ohne, dass wir daraus zitieren).  Christian Füller: Die gute Schule. Pattloch 2009  Remo Largo: Schülerjahre Wie Kinder besser lernen. Pieper 2009  Peter Struck: Die 15 Gebote des Lernens. Primus Verlag 2004  Hilbert Meyer: Was ist guter Unterricht. ‚Cornelsen 2004  GEO WISSEN: Die ideale Schule – Was Jungen und Mädchen optimal fördert. Nr.44 2009  Ken Robinson: Vorträge  Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in Nordrhein-Westfalen. Ritterbach Verlag. 1.Auflage 2008    (1) Vgl. Interview mit Martin Korte in der Zeitschrift GEO WISSEN, S. 28  (2) Vgl. Remo Largo, Schülerjahre  (3) Vgl. Vortrag von Sir Ken Robinson, auf TED  (4) Vgl. Interview mit Martin Korte in der Zeitschrift GEO WISSEN, S. 29  (5) Christian Füller, Die gute Schule. S. 213  (6) Christian Füller, Die gute Schule, S. 16  (7) vgl. Richtlinien, S. 11  (8) vgl. Richtlinien, S. 12  (9) vgl. Richtlinien, S. 15  (10) vgl. Konzept zur Schuleingangsphase  (11) vgl. Konzept zum Gemeinsamen Unterricht  (12) vgl. Klassenkonzepte  (13) Peter Struck, Die 15 Gebote des Lernens, S. 48  (14) vgl. Leistungskonzept  (15) Vgl. Christian Füller, Die gute Schule, S. 197
Pädagogische Leitgedanken
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